Objektschutz und Bauvorsorge

Bereits mit relativ geringem Aufwand können durch eine angepasste Bauweise und technische Schutzmaßnahmen Wasserschäden verhindert bzw. das Schadenspotenzial deutlich reduziert werden (vgl. Hochwasserpass). Objektschutz und Bauvorsorge funktionieren hierfür am besten nach dem Stufenplan:

  1. Ausweichen – Wie kann Hochwasser vom Grundstück ferngehalten werden?
  2. Widerstehen – Wie kann Wassereintritt ins Gebäude verhindert werden?
  3. Nachgeben – Wie kann das Schadenspotenzial bei Wassereintritt ins Gebäude minimiert werden?

Zunächst kann die generelle Abflusssituation auf dem Grundstück durch abflussmindernde Maßnahmen verbessert werden. Dazu gehören z. B. Dachbegrünung, Entsiegelung, Bepflanzung der nicht überbauten Grundstücksflächen, technische Rückhalteoptionen und gezielte Abflussleitung (Gefälle vom Gebäude/Grundstück weg, Ableitung in schadarme Bereiche, Anlage von Flutmulden/-flächen usw.). Um überdies effizient Wasserschäden zu vermeiden oder einzudämmen, ist es ratsam zu wissen, welche Wege das Wasser auf dem Grundstück und ins Haus nehmen kann, z. B.:

  • Oberflächenwasser (oberirdisch abfließendes Regenwasser oder überstauende Starkregenabflüsse aus dem Straßenraum)
  • Sickerwasser (Bodenfeuchte)
  • aufstauendes Sickerwasser am Gebäude
  • Rückstau aus der kommunalen Kanalisation
überschwemmte Straße mit Häuserreihe an der linken Seite

Abb. 1: Überflutungsvorsorge gehört zu den Aufgaben und Pflichten aller Bürger

(Bildquelle: Stefan Knetsch/ThINK)

Überflutungsgefahr durch Oberflächenabflüsse und kanalüberstauendes Regenwasser aus dem Straßenraum besteht für Grundstücke und Gebäude, deren Zugänge und Öffnungen (Türen, Kellerfenster, Tiefgaragenzufahrten) ebenerdig oder tiefer als der Straßenraum liegen. Hochwasser kann hier schon mithilfe kleinerer Erhöhungen ferngehalten werden, z. B.:

  • Bodenschwellen vor dem Grundstück (ggf. genehmigungspflichtig), Verwallungen, Dämme, Grundstückseinfassungen, Hochwasser-/Schutzmauern, mobile Dammbalkensysteme (Auswirkungen auf Unterlieger bzw. Umfeld berücksichtigen)
  • Erhöhungen/Aufkantungen an Lichtschächten, Lichtschachtsohlen deutlich unterhalb der Kellerfenster mit Entwässerung (ggf. rückstaugesicherter Kanalanschluss)
  • Stufen, Schrägen, Sockel, Rampen vor Hauseingängen, Kellerabgängen, Garagen
  • Kellereingänge und Tiefgarageneinfahrten zusätzlich sichern durch Stufe oben am Abgang und unten vorm Eingang sowie Überdachung und Entwässerung der Sohle (ggf. durch rückstaugesicherten Kanalanschluss oder Hebeanlage)
  • Kiesstreifen zur schnellen Versickerung direkt am Gebäude, Einfassung als erhöhte Stufe
starker Regen in einem Innenhof mit Balkonstühlen an der Seite

Abb. 2: Wassermassen aus starken Regenfällen können Schäden auf dem Grundstück anrichten

(Bildquelle: Depositphotos.com)
Kellerfenster mit Gitter in Natursteinmauer, Grün- und Kiesstreifen davor

Abb. 3: Erhöhtes Kellerfenster, Kies- und Grünstreifen bieten guten Schutz vor Starkregenzuflüssen

(Bildquelle: Gabriele Jahn/ThINK)

Zusätzlich sollten tieferliegende Gebäudeöffnungen wasserdicht ausgeführt werden (z. B. als druckdichte, selbstschließende Fenster).

Sickerwasser befeuchtet alle erdberührenden Gebäudeteile (v. a. Keller). Um hier Schäden durch Vernässung, Schimmelbefall oder Salzausblühungen auf der Kellerwand zu vermeiden, ist eine funktionstüchtige Abdichtung des Kellergeschosses notwendig (z. B. Bitumen- oder Kunststoffdichtungsbahnen). Die Nachdichtung im Bestand ist im Vergleich zum Neubau deutlich aufwendiger und teurer (z. B. Blecheinschlag, Mauersägeverfahren, Bohrung und Injektion abdichtender Substanzen ins Mauerwerk).

Aufstauendes Sickerwasser entsteht, wenn große Niederschlagsmengen auf kaum durchlässige oder stauende Böden treffen. Kellergeschosse sollten hier als weiße oder schwarze Wanne ausgeführt werden (wasserundurchlässiger (WU-) Beton, Außenhaut auf Bitumen- oder Kunststoffbasis). Die Nachrüstung im Bestand ist bautechnisch kompliziert, kann aber im Fall von Unterspülungen notwendig werden, um die Standsicherheit des Gebäudes zu erhalten.

Rückstau aus der kommunalen Kanalisation führt dazu, dass Abwasser seine Fließrichtung im Kanal ändert und im Gebäude aus Hausanschlüssen (z. B. Sanitäranlagen, Bodenabläufe) unterhalb der Rückstauebene austritt. Abhilfe schaffen hier Rückstausicherungen (Hebeanlage, Rückstauklappe).

Ist der Wassereintritt ins Haus nicht zu vermeiden, können Schäden durch Bauvorsorge und vorausschauendes Handeln stark eingedämmt werden. Zum einen ist es ratsam, geeignetes Bau- und Ausbaumaterial für Keller/-räume zu verwenden (z. B. Kalk, Zement, beschichtete Metalle, wasserbeständiger Naturstein - kein Gips, Holz, Kork usw.). Zum anderen sollten die Räume mit Blick auf eine mögliche Überschwemmung angelegt werden, d. h.:

  • keine Lagerung wassergefährdender Stoffe (Heizöl, Chemikalien, Giftstoffe)
  • keine Lagerung wertvoller Gegenstände (Dokumente, Erinnerungsstücke)
  • Elektroanschlüsse nicht in Bodennähe
  • generelle Aufständerung von Geräten (z. B. Waschmaschine, Kühltruhe)
  • Lagerung von Gegenständen in Regalen o. ä. (Grundsatz: Je wichtiger, desto höher!)
  • hochwertige Nutzung/Einrichtung in höhere Etagen verlegen (z. B. Wohn-, Schlafraum, Heimelektronik)
Bewertung der Maßnahme hinsichtlich wesentlicher Parameter
Spidergrafik zur Bewertung der Maßnahme mit den Parametern Wirkung, Wirtschaftlichkeit, Gestaltung, Akzeptanz, Biodiversität und Nachhaltigkeit

Erläuterung:

■  rot/orange: schlecht bzw. Verschlechterung, negativer Einfluss
■  gelb: neutral bzw. nicht relevant, kein/kaum Einfluss
■  hellgrün: gut bzw. geringfügiger positiver Einfluss
■  grün: sehr gut bzw. positiver Einfluss
■  dunkelgrün: ausgesprochen gut bzw. deutlicher positiver Einfluss

Parameter:

Wirkung: Effektivität der Maßnahme im Sinne der Klimaanpassung
Wirtschaftlichkeit: Kosten-Nutzen-Verhältnis (Initial- und Folgekosten)
Gestaltung: Raumwirkung, Beeinflussung des Lebensumfelds
Akzeptanz: Beeinflussung der Lebensqualität, mögliche Widerstände
Biodiversität: Beeinflussung der Artenvielfalt/Lebensräume
Nachhaltigkeit: Langlebigkeit/Beständigkeit, Ressourceneffizienz

Ansprechpartner

ThEGA – Thüringer Energie- und GreenTech-Agentur GmbH) (www.thega.de) Die ThEGA hat sich im Rahmen des Projektes „Entwicklung von Klima-Adaptionsstrategien und -technologien in Thüringen (KlimAdapTIT)“ teils vertiefend mit Möglichkeiten zur Starkregenvorsorge auseinandergesetzt
(www.thega.de/klimadaptit)

TMUEN – Hochwasser- und Gewässerschuztz
(https://umwelt.thueringen.de/themen/boden-wasser-luft-und-laerm/hochwasser-und-gewaesserschutz)

TLUBN – Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz
(https://tlubn.thueringen.de/wasser)

Landkreise und kreisfreie Städte (Untere Wasserbehörde)

Stadtplanungsamt

Förderung

Thüringen

Stiftung Naturschutz Thüringen: Umweltlotterie - „Naturschutz beginnt vor der Haustür – in kleinen Schritten zu einem bunten, lebenswerten Wohnumfeld“
(https://www.stiftung-naturschutz-thueringen.de/umweltlotterie-foerderung.html)

Thüringer Aufbaubank
(www.aufbaubank.de)

Kommunale Förderrichtlinien, -programme

Bund

Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) – Programm 151,152, 153, 430, 431: Energieeffizient Bauen und Sanieren
(https://www.kfw.de/inlandsfoerderung/Privatpersonen)

weiterführende Informationen

IMPAKT

Integriertes Maßnahmenprogramm zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels im Freistaat Thüringen - IMPAKT

 

KlimaInvest

Klima Invest - Kommunale Klimaschutz- und Klimafolgenanpassungsmaßnahmen

Thüringer Klimaagentur

Fachreferat des Thüringer Landesamtes für Umwelt, Bergbau und Naturschutz

ReKIS

ReKIS – regionales Klimainformationssysem Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen

Zentrum KlimaAnpassung

Das Zentrum unterstützt bei der Planung und Umsetzung von Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels sowie bei der Wahl der passenden Förderung.