Außengebietsentwässerung und land- und forstwirtschaftliche Überflutungsvorsorge

Wichtiges Ziel eines effektiven Starkregenrisikomanagements ist es, Außengebietswasser abzuleiten oder in der Fläche zu sammeln bzw. zurückzuhalten, ehe es die Siedlung erreicht. Diese Maßnahmen sind i. d. R. effektiver und kostengünstiger gegenüber der schadlosen Ableitung, Zwischenspeicherung oder Versickerung im Ortsinneren.

Ansicht von oben auf Wiese mit ablaufendem Regenwasser und zwei Autos und Häuser im Hintergrund

Abb. 1: Über Straßen und Wege wird das Niederschlagswasser direkt in Siedlungsbereiche geleitet.

(Bildquelle: Daniel Knopf/ThINK)
Ackergraben, Feld mit Bewuchs, weite Landschaft

Abb. 2: Trockener Ackergraben wird bei Starkregen schnell zur Wasserleitbahn und Bedrohung für unterliegende Siedlungen

(Bildquelle: Gabriele Jahn/ThINK)

Ein Baustein ist das Fernhalten bzw. die Ableitung von Außengebietswasser, z. B. über:

  • Weglenkung der Abflüsse oberhalb der Ortsgrenze mit Hilfe von Leitbauwerken (z. B. Verwallungen, Dämme)
  • zeitliche Streckung der Ableitung (z. B. über offene Grabensysteme, Kaskaden)
  • Anlage von Leitbauwerken (z. B. Abfanggräben, Wallhecken, ggf. auch Rohren) zur Abflusslenkung in Gebiete mit geringem Schadensrisiko und hoher Versickerungsmöglichkeit
  • Abkopplung von Außengebietsflächen vom Kanalnetz

Ein weiterer Baustein ist der großflächige, dezentrale Rückhalt der Starkregenabflüsse im Außenbereich von Siedlungen. z. B. über:

  • Anlage von Rückhaltebereichen (z. B. Flut-, Abschlagsmulden, Feldabflussspeicher, Kleinrückhalte, Versickerungs-, Verdunstungs- oder Retentionsbecken)
  • Nutzung vorhandener Geländevertiefungen, ggf. Ausbau des Speichervolumens
  • (Wieder-)Nutzung vorhandener (Lösch-)Teiche

Um das Rückhaltepotenzial im Außenbereich vollständig zu erschließen, empfiehlt es sich, Land- und Forstwirte für das Thema Starkregen zu sensibilisieren und für eine Kooperation zu gewinnen. Sie können durch eine angepasste Bewirtschaftung ihrer Flächen maßgeblich dazu beitragen, Infiltration und Rückhalt zu steigern und damit Abflüsse in ihrer Intensität und Dauer zu reduzieren. Synergieeffekte zu Gewässer-, Arten- und Biotopschutz sind dabei garantiert.

Landwirtschaftliche Überflutungsvorsorge lässt sich vielfältig umsetzen, z. B. durch:

  • rückhaltorientierte Flurbereinigung durch Neuaufteilung abfluss- und erosionsbegünstigender Flurstücke
  • Erosionsschutz in Form von Grünstreifen, hangparallel, zur Teilung großer Schläge oder als Ackerrandstreifen
  • hangparallele Bearbeitung (Querbewirtschaftung bis 15° Neigung)
  • konservierende Bearbeitungsmethoden (z. B. Mulch-/Direktsaat)
  • ganzjährige Bodenbedeckung durch Zwischen-/Winterfrucht
  • Steigerung der Versickerungsleistung durch maschinelle Lockerung verdichtungsanfälliger Böden (z. B. Tonböden)
  • Vermeidung abflussfördernder Kulturen (z. B. Mais)
  • streifenförmig wechselnden Anbau verschiedener Feldfrüchte
  • Umnutzung von Agrarflächen in Grünland oder Wald, v. a. Mischwald
überflutete Wiese und Acker mit Zaun

Abb. 3: Geringes Schadenspotenzial auf überfluteter Ackerfläche

(Bildquelle: Depositphotos.com)
Vogelperspektive auf einen Wald

Abb. 4: Artenvielfalt im Wald begünstigt den Regenrückhalt

(Bildquelle: Depositphotos.com)

Forstwirtschaftliche Überflutungsvorsorge kann durch folgende Maßnahmen umgesetzt werden:

  • Waldmehrung (z. B. auf Kahlschlägen, übergebenen Ackerflächen)
  • konsequenter Erhalt bestehender Waldflächen
  • Revitalisierung von Auwäldern zur Vergrößerung des Uferzwischenspeichers
  • Renaturierung von Mooren
  • Anlage von Tümpeln und Feuchtbiotopen
  • Umbau von Nadelwäldern in naturnahe, klimatolerante Mischwälder; Mischwälder zeichnen sich durch eine deutlich verzögerte Ableitung der Niederschläge aus. Zusammen mit der großen Wasseraufnahmekapazität der Waldböden reduzieren intakte Mischwälder den Oberflächenabfluss stärker als alle anderen Landnutzungen.

Ein Bindeglied zwischen dem Außenbereich und Siedlungen sind land- und forstwirtschaftliche Wege. Sie stellen quasi hindernisfreie Leitbahnen für Starkregenabflüsse dar und können als Zuflusskatalysatoren schadensvergrößernd wirken. Ratsam ist es daher, sie möglichst abflussreduzierend (um-)zu gestalten, z. B. anhand folgender Maßnahmen:

  • Beseitigung von Seitenwallungen (z. B. Rasenwülste, Auflandungen) und Rohrdurchlässen, um Sammelfunktion des Weges zu verringern
  • Anlage von Abschlagsmulden bei stärker geneigten Wegen, um in regelmäßigen Abständen die Abflussmenge zu reduzieren
  • hangparallele Anordnung notwendiger Wirtschaftswege
  • Umnutzung ausgedienter Wege in Acker- oder Forstfläche (z. B. Rückegassen)
Bewertung der Maßnahme hinsichtlich wesentlicher Parameter
Spidergrafik zur Bewertung der Maßnahme mit den Parametern Wirkung, Wirtschaftlichkeit, Gestaltung, Akzeptanz, Biodiversität und Nachhaltigkeit

Erläuterung:

■  rot/orange: schlecht bzw. Verschlechterung, negativer Einfluss
■  gelb: neutral bzw. nicht relevant, kein/kaum Einfluss
■  hellgrün: gut bzw. geringfügiger positiver Einfluss
■  grün: sehr gut bzw. positiver Einfluss
■  dunkelgrün: ausgesprochen gut bzw. deutlicher positiver Einfluss

Parameter:

Wirkung: Effektivität der Maßnahme im Sinne der Klimaanpassung
Wirtschaftlichkeit: Kosten-Nutzen-Verhältnis (Initial- und Folgekosten)
Gestaltung: Raumwirkung, Beeinflussung des Lebensumfelds
Akzeptanz: Beeinflussung der Lebensqualität, mögliche Widerstände
Biodiversität: Beeinflussung der Artenvielfalt/Lebensräume
Nachhaltigkeit: Langlebigkeit/Beständigkeit, Ressourceneffizienz

Ansprechpartner

TMIL – Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft
(https://infrastruktur-landwirtschaft.thueringen.de/)

TMUEN – Hochwasser- und Gewässerschuztz
(https://umwelt.thueringen.de/themen/boden-wasser-luft-und-laerm/hochwasser-und-gewaesserschutz)

TLUBN – Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz
(https://tlubn.thueringen.de/wasser/)

Förderung

TMIL (Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft): Agrarförderung.

  • ELER - Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes
  • KULAP – Thüringer Programm zur Förderung von umwelt- und klimagerechter Landwirtschaft, Erhaltung der Kulturlandschaft, Naturschutz und Landschaftspflege

(https://infrastruktur-landwirtschaft.thueringen.de/unsere-themen/landwirtschaft/agrarfoerderung)

TMIL (Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft) (2021): Thüringer Richtlinie zur Förderung forstwirtschaftlicher Maßnahmen (https://infrastruktur-landwirtschaft.thueringen.de/unsere-themen/forst-jagd-und-fischerei/forstwirtschaft/waldbesitzer)

Thüringer Aufbaubank
(www.aufbaubank.de

weiterführende Informationen

IMPAKT

Integriertes Maßnahmenprogramm zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels im Freistaat Thüringen - IMPAKT

 

KlimaInvest

Klima Invest - Kommunale Klimaschutz- und Klimafolgenanpassungsmaßnahmen

Thüringer Klimaagentur

Fachreferat des Thüringer Landesamtes für Umwelt, Bergbau und Naturschutz

ReKIS

ReKIS – regionales Klimainformationssysem Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen

Zentrum KlimaAnpassung

Das Zentrum unterstützt bei der Planung und Umsetzung von Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels sowie bei der Wahl der passenden Förderung.