Öffentlichkeitsarbeit und Risikokommunikation

Kommunen können in ihrem Hoheitsgebiet dafür Sorge tragen, dass potenziell von den negativen Folgen eines Starkregens Betroffene für das Thema sensibilisiert werden. Kommunales Ziel ist es, in der Bevölkerung ein langfristiges Risikobewusstsein für Gefahren und Risiken durch seltene und extreme Starkregenereignisse zu schaffen und zur individuellen Eigenvorsorge anzuregen. Angesprochene Gruppen sind neben der Bürgerschaft lokale Wirtschafts-, Industrie- und Gewerbeunternehmen sowie Land- und Forstwirtschaftsbetriebe.

Ein erster Schritt der kommunalen Risikokommunikation ist die sachlich fundierte und verständlich aufbereitete Informationsweitergabe hinsichtlich lokaler Gefährdungssituationen und Schadensrisiken, z. B. über:

  • Veröffentlichung von Starkregengefahrenkarten in lokalen Medien (z. B. Gemeindeanzeiger, städtischer Internetauftritt)
  • Informationsmaterial (Flyer, Broschüren, Handreichungen) zu Bauvorsorge und Objektschutz für Fachplaner, politische Entscheidungsträger, Haus- und/oder Grundstücksbesitzer
  • Informationsmaterial zum Verhalten im Ernstfall (z. B. Handlungsanleitungen, Checklisten)
überschwemmte Straße, Schlauchboot mit 2 Personen, Straßenschild

Abb. 1: Wegweiser für den Ernstfall : Information und Kommunikation

(Bildquelle: Daniel Knopf/ThINK)
Straßenschild "Wassergasse" mit Fachwerkhaus im Hintergrund

Abb. 2: Nomen est Omen - alte Straßenbezeichnungen weisen auf die Gefahr hin

(Bildquelle: Gabriele Jahn/ThINK)

Breitenwirksame Öffentlichkeitsarbeit unterstützt das Ziel, dieses Wissen nachhaltig im Verhaltensalltag der Bevölkerung zu verankern. Dazu können vielfältige Kanäle und Formate genutzt werden, z. B.:

  • Informationsveranstaltungen, Workshops, Thementage, Wettbewerbe
  • kommunale zentrale Beratungsstelle bzw. Bürgersprechstunde
  • Benachrichtigungsservice bei Unwetterwarnungen
  • Starkregenbriefe an Haushalte in besonders gefährdeten Ortslagen mit Informationen und Hinweisen zur Eigenvorsorge
  • Vorbildwirkung der Gemeinde durch Umsetzung von Pilotprojekten, Nachrüstung abflussreduzierender Maßnahmen (z. B. Dachbegrünung), baulicher Überflutungsvorsorge an kommunalen Gebäuden
  • Katastrophenschutzübungen potenziell betroffener sozialer und öffentlicher Einrichtungen (Schulen, Krankenhäuser) in regelmäßigem Turnus
  • Aktionsveranstaltungen der kommunalen Entwässerungsbetriebe zu „Dezentraler Regenwasserbewirtschaftung“, „Abwasserbeseitigung“
  • Angebot „Hochwasserpass“ (kostenlose Selbstauskunft, ggf. kostenpflichtige Prüfung durch Sachverständigen)

Betroffene werden dadurch in die Lage versetzt, ihr eigenes Risiko zu bewerten und passgenaue, effektive Schutzmaßnahmen ergreifen zu können bzw. durch eine geeignete Elementarschadenversicherung zu ergänzen.

Neben der Gefahr für Leib und Leben und das private Eigentum ist es auch wichtig, Umweltgefahren zu vermeiden (z. B. Öl-/Gastanks gegen Aufschwemmen sichern). Für Wirtschaft und Gewerbetreibende kann es hierfür notwendig sein, Depots mit wassergefährdenden Substanzen zu sichern, des Weiteren Produktionsausfälle und Evakuierungen der Belegschaft einzuplanen. Land- und Forstwirtschaft können für das Ziel geworben werden, die Zuflüsse von Außengebietswasser infolge von Starkregenereignissen in den Siedlungsraum reduzieren und damit gleichzeitig Bodenerosion und Schlammeinträge deutlich zu verringern. Gespräche mit Land- und Forstwirten über Verklausung und Behinderung der Wasserwege durch grobes Treibgut, Silage- und Strohballen sowie Äste u. ä. aus den Acker- und Waldflächen ergänzen die Risikokommunikation an dieser Stelle. Hier ist die Lagerung an Plätzen, die nicht durch mitreißende Starkregenabflüsse gefährdet sind, sinnvoll, um Schädigungen der Unterlieger zu vermeiden.

Waldstrasse mit Baumstämmen am Rand

Abb. 3: Baumstämme können bei Starkregen mitgerissen werden

(Bildquelle: Gabriele Jahn/ThINK)
Bewertung der Maßnahme hinsichtlich wesentlicher Parameter
Spidergrafik zur Bewertung der Maßnahme mit den Parametern Wirkung, Wirtschaftlichkeit, Gestaltung, Akzeptanz, Biodiversität und Nachhaltigkeit

Erläuterung:

■  rot/orange: schlecht bzw. Verschlechterung, negativer Einfluss
■  gelb: neutral bzw. nicht relevant, kein/kaum Einfluss
■  hellgrün: gut bzw. geringfügiger positiver Einfluss
■  grün: sehr gut bzw. positiver Einfluss
■  dunkelgrün: ausgesprochen gut bzw. deutlicher positiver Einfluss

Parameter:

Wirkung: Effektivität der Maßnahme im Sinne der Klimaanpassung
Wirtschaftlichkeit: Kosten-Nutzen-Verhältnis (Initial- und Folgekosten)
Gestaltung: Raumwirkung, Beeinflussung des Lebensumfelds
Akzeptanz: Beeinflussung der Lebensqualität, mögliche Widerstände
Biodiversität: Beeinflussung der Artenvielfalt/Lebensräume
Nachhaltigkeit: Langlebigkeit/Beständigkeit, Ressourceneffizienz

Ansprechpartner

ThEGA – Thüringer Energie- und GreenTech-Agentur GmbH) (www.thega.de) Die ThEGA hat sich im Rahmen des Projektes „Entwicklung von Klima-Adaptionsstrategien und -technologien in Thüringen (KlimAdapTIT)“ teils vertiefend mit Möglichkeiten zur Starkregenvorsorge auseinandergesetzt
(www.thega.de/klimadaptit)

TMUEN – Hochwasser- und Gewässerschuztz
(https://umwelt.thueringen.de/themen/boden-wasser-luft-und-laerm/hochwasser-und-gewaesserschutz)

TLUBN – Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz
(https://tlubn.thueringen.de/wasser)

Landkreise und kreisfreie Städte (Untere Wasserbehörde)

Kommunale Entwässerungsbetriebe

AKTION FLUSS – Thüringer Gewässer gemeinsam entwickeln. (https://aktion-fluss.de/) (Thüringer Landesprogramme Hochwasserschutz und Gewässerschutz 2022 – 2027)

Stadtplanungs-, Umwelt-, Grünordnungs-, Tiefbau- und Verkehrsamt

Förderung

Thüringen

KlimaInvest – Kommunale Klimaschutz- und Klimafolgenanpassungsmaßnahmen
(https://www.aufbaubank.de/Foerderprogramme/Klima-Invest)

Förderung des Hochwasserschutzes und der Fließgewässerentwicklung in Thüringen im Rahmen der „Aktion Fluss -Thüringer Gewässer gemeinsam entwickeln“ (Erstellung von Starkregenkonzepte im Zusammenhang mit der Aufstellung der integralen Hochwasserschutzkonzepte an den Risikogewässern zweiter Ordnung) (https://www.aufbaubank.de/Foerderprogramme/Hochwasserschutz-und-Fliessgewaesserentwicklung-Foerderung)

Thüringer Aufbaubank
(www.aufbaubank.de)

Bund

Zukunft – Umwelt – Gesellschaft (ZUG) gGmbH  - Förderung von Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel
(https://www.z-u-g.org/aufgaben/foerderung-von-massnahmen-zur-anpassung-an-den-klimawandel/)

Zukunft – Umwelt – Gesellschaft (ZUG) gGmbH  - Klimaanpassung in sozialen Einrichtungen
(https://www.z-u-g.org/aufgaben/klimaanpassung-in-sozialen-einrichtungen/)

weiterführende Informationen

IMPAKT

Integriertes Maßnahmenprogramm zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels im Freistaat Thüringen - IMPAKT

 

KlimaInvest

Klima Invest - Kommunale Klimaschutz- und Klimafolgenanpassungsmaßnahmen

Thüringer Klimaagentur

Fachreferat des Thüringer Landesamtes für Umwelt, Bergbau und Naturschutz

ReKIS

ReKIS – regionales Klimainformationssysem Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen

Zentrum KlimaAnpassung

Das Zentrum unterstützt bei der Planung und Umsetzung von Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels sowie bei der Wahl der passenden Förderung.